Wie wird Hafermilch hergestellt: Ein einfacher Leitfaden
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Wie wird Hafermilch hergestellt? Die kurze Antwort
Haferdrink (umgangssprachlich Hafermilch) entsteht, indem Hafer mit Wasser vermischt, die Stärke mit Enzymen aufgespalten und die Flüssigkeit anschließend gefiltert wird. Das ist im Kern das ganze Rezept. Der Drink, den du im Karton kaufst, durchläuft noch ein paar zusätzliche Schritte – aber das Grundprinzip bleibt einfach.
Dieser Leitfaden erklärt jeden Schritt der Reihe nach. Wir gehen auf die hausgemachte Variante, die industrielle Produktion und das neuere Pulverformat ein. Am Ende verstehst du, warum manche Haferdrinks ohne zugesetzten Zucker süß schmecken, warum andere Öl enthalten und was die Enzyme eigentlich machen.
Die wichtigsten Punkte
- Haferdrink wird aus Hafer, Wasser und einem Enzym namens Amylase hergestellt.
- Das Enzym spaltet die Haferstärke in natürliche Zucker auf. Daher kommt die Süße – ganz ohne zugesetzten Zucker.
- Industrielle Haferdrinks werden gefiltert, teilweise mit Vitaminen angereichert und verpackt.
- Viele Karton-Haferdrinks enthalten zusätzlich Öle, Verdickungsmittel oder Stabilisatoren für Textur und Haltbarkeit.
- Haferdrink-Pulver spart den Wassertransport. Du mischst den Drink in Sekunden zu Hause an.
Schritt 1: Die Auswahl des Hafers
Jeder Haferdrink beginnt mit ganzen Haferkörnern. Die Qualität des Korns beeinflusst Geschmack, Farbe und Nährwertprofil des fertigen Drinks.
"Die Herstellung von Haferdrink beginnt mit der Auswahl des besten Hafers. Üblicherweise wird ganzer Hafer verwendet, da er das vollständige Nährwertprofil des Korns behält." — Natural Nan, _YouTube-Kanal mit Fokus auf natürliche Prozesse und Lebensmittelproduktion_
Die meisten kommerziellen Hersteller verwenden Hafer aus Europa oder Nordamerika. Manche setzen auf glutenfrei zertifizierten Hafer. Standardhafer ist von Natur aus glutenfrei, wird aber häufig in Anlagen verarbeitet, in denen auch Weizen verarbeitet wird. Eine Glutenfrei-Zertifizierung bedeutet, dass der Hafer ohne Kreuzkontamination angebaut, geerntet und verarbeitet wurde. Mehr dazu findest du in unserem Leitfaden, ob Hafermilch glutenfrei ist.
Schritt 2: Hafer mit Wasser mischen
Der Hafer wird mit Wasser zu einer Maische vermischt. Das Verhältnis variiert je nach Hersteller, die meisten arbeiten zu Beginn mit etwa 1 Teil Hafer auf 8 bis 10 Teile Wasser.
Bei selbst gemachtem Haferdrink ist die Wassertemperatur entscheidend. Empfohlen wird kaltes Wasser.
"Bitte nimm wirklich nur kaltes Wasser, denn heißes Wasser erhitzt den Hafer und macht daraus quasi Haferbrei. Und Haferbrei wollen wir nicht." — Graham, _Rezeptentwickler und Blogger bei The Banana Diaries_
Heißes Wasser kocht die Stärke und erzeugt eine schleimige, klebrige Konsistenz. Kaltes Wasser hält die Stärke stabil – bis zum Enzymschritt.
Schritt 3: Enzymatische Hydrolyse (der entscheidende Schritt)
Das ist der Schritt, der eine wässrige Hafermaische in einen cremigen Drink verwandelt. Und es ist der Schritt, von dem die meisten Verbraucher nichts wissen.
Haferstärke ist eine lange Kette aus Zuckermolekülen. In ihrer natürlichen Form ist Stärke dickflüssig, pastös und nicht besonders süß. Damit daraus etwas Trinkbares wird, geben Hersteller ein Enzym namens Amylase hinzu. Amylase zerschneidet die langen Stärkeketten in kürzere Ketten und freie Zucker.
"Im Hafer natürlich vorhandene Enzyme beginnen damit, Stärke in einfachere Zucker zu zerlegen, und verstärken so die Süße des Endprodukts." — Natural Nan, _YouTube-Kanal mit Fokus auf natürliche Prozesse und Wissenschaft_
Der Fachbegriff für diesen Schritt lautet enzymatische Verflüssigung. Das gleiche Prinzip kommt beim Bierbrauen, bei der Sojasoßenherstellung und in vielen fermentierten Lebensmitteln zum Einsatz. Der Erfinder der modernen Haferdrink-Technologie beschreibt es so:
"Die Kerntechnologie besteht darin, einen bestimmten Enzymcocktail – allen voran Amylase – einer Maische aus Hafer und Wasser zuzusetzen. Der Prozess, bekannt als enzymatische Verflüssigung, funktioniert so: Die langen, komplexen Kohlenhydratketten der Haferstärke sind das, was die Mischung dick und schleimig macht. Amylase-Enzyme wirken wie mikroskopisch kleine Scheren, die diese langen Ketten in kleinere, einfachere Zucker zerlegen – vor allem in das Disaccharid Maltose." — Ricard Öste, _Lebensmittelwissenschaftler und Gründer von Oatly_
Das Ergebnis ist eine glattere, süßere Flüssigkeit. Die Süße ist echter Zucker, stammt aber aus dem Hafer selbst. In diesem Schritt wird kein Zucker zugesetzt. Genau deshalb können Haferdrink-Etiketten in der Nährwerttabelle "Zucker" ausweisen, ohne dass Zucker in der Zutatenliste steht.
Ein Koch, der den Prozess für Hobbyköche erklärt hat, formuliert es noch schlichter:
"Diese Schleimigkeit kommt von der Stärke im Hafer. Um sie loszuwerden, arbeiten die meisten Verarbeitungsbetriebe mit einem Enzym, manchmal mit mehreren – allen voran mit dem Enzym Amylase." — Jordan Myrick, _Koch und YouTube-Creator, Sauce Stache_
Dieser Schritt sorgt oft für Verwirrung, wenn Kunden das Etikett lesen. Eine Bewertung bringt das gut auf den Punkt:
"Wirklich enttäuschend. Schmeckt seltsam süß, fast chemisch. Hab aufs Etikett geschaut – kein zugesetzter Zucker drin, aber irgendwas stimmt nicht. Schmeckt überhaupt nicht nach Hafer."
Die Süße ist nicht künstlich. Es ist die natürliche Maltose, die das Enzym freisetzt. Manche finden das angenehm, andere zu süß. Es hängt davon ab, wie aggressiv der Hersteller den Enzymschritt fährt.
Schritt 4: Filtern und Trennen
Nachdem das Enzym seine Arbeit getan hat, wird die Maische gefiltert. Die Flüssigkeit läuft durch, die festen Haferfasern werden abgetrennt.
Der übrig gebliebene Tresterhafer wird teils als Tierfutter verwendet, teils als Backzutat verkauft. Die Flüssigkeit ist die Basis des Haferdrinks.
An diesem Punkt ist der Drink im Grunde fertig. Er ist cremig, von Natur aus süß und schmeckt nach Hafer. Die meisten Hersteller fügen aber noch einige Schritte hinzu, bevor abgefüllt wird.
Schritt 5: Öle, Verdickungsmittel oder Anreicherung (optional)
Viele Karton-Haferdrinks bekommen nach dem Enzymschritt zusätzliche Zutaten. Die Gründe lassen sich in drei Kategorien einteilen.
Öle für das Mundgefühl. Rapsöl, Sonnenblumenöl oder andere Pflanzenöle werden zugesetzt, damit der Drink reichhaltiger schmeckt und cremiger wirkt. Besonders verbreitet ist das in Barista-Versionen, die im Kaffee aufschäumen und nicht ausflocken sollen. Verdickungsmittel und Stabilisatoren. Zutaten wie Gellan, Dikaliumphosphat und Johannisbrotkernmehl verhindern, dass sich der Drink im Karton absetzt. Sie halten die Konsistenz über die lange Haltbarkeit hinweg konstant. Anreicherung. Vitamine und Mineralstoffe werden zugesetzt, um an das Nährwertprofil von Kuhmilch heranzukommen."Damit Haferdrink ernährungsphysiologisch mit dem Pendant aus der Milchwirtschaft mithalten kann, reichern manche Hersteller das Produkt mit Vitaminen und Mineralstoffen wie Calcium, Vitamin D und Vitamin B12 an." — Natural Nan, _Wissenschaftskommunikatorin & Bildungsschaffende (basierend auf Kanalinhalten)_
Diese Zusätze sind nicht per se schlecht. Sie haben einen echten Zweck. Trotzdem überraschen sie Verbraucher, die im Haferdrink einfach nur Hafer und Wasser erwarten.
"Hab die Zutaten angeschaut, und da steht Sonnenblumenöl, Dikaliumphosphat und ein Haufen Zeug, das ich nicht aussprechen kann. Ich dachte, Hafermilch sollte einfach sein?"
Diese Reaktion ist häufig. Das Grundrezept ist einfach. Das kommerzielle Produkt oft nicht.
Schritt 6: Hitzebehandlung und Verpackung
Der fertige Haferdrink wird erhitzt, um Bakterien abzutöten. Üblich ist die UHT-Behandlung (Ultrahocherhitzung). Der Drink wird für wenige Sekunden auf rund 135–150 °C erhitzt.
Erst die UHT-Behandlung sorgt dafür, dass Haferdrink-Kartons monatelang ungekühlt im Regal stehen können. Einmal geöffnet, verhält sich der Drink wie frische Milch und muss in den Kühlschrank.
Danach wird der Drink in Kartons abgefüllt, meist Tetra Pak. Ein leerer 1-Liter-Karton wiegt rund 28–32 Gramm. Die Verpackung selbst ist ein mehrschichtiges Laminat aus Karton, Kunststoff und Aluminium.
Wie das im Vergleich zu hausgemachtem Haferdrink ist
Bei hausgemachtem Haferdrink fällt der Enzymschritt komplett weg. Du mixt Haferflocken mit kaltem Wasser und siebst die Mischung anschließend durch einen Nussmilchbeutel oder ein feines Tuch. Das Ergebnis ist dünner, weniger süß und kürzer haltbar.
| Schritt | Hausgemacht | Industrie-Karton | Pulverformat |
|---|---|---|---|
| Hafervorbereitung | Eingeweicht oder roh gemixt | Maische mit Wasser | Maische mit Wasser |
| Enzymatische Hydrolyse | ✕ | ✓ | ✓ |
| Filtern | Manuell (Tuchbeutel) | Industrielle Filtration | Industrielle Filtration |
| Zugesetzte Öle oder Verdickungsmittel | ✕ | Häufig ja | Variiert |
| Trocknungsschritt | ✕ | ✕ | Ja (sprühgetrocknet) |
| Haltbarkeit ungeöffnet | 3–5 Tage gekühlt | 6–12 Monate ungekühlt | 12–24 Monate ungekühlt |
| Endform | Flüssig | Flüssig im Karton | Pulver im Beutel |
Hausgemacht ist am einfachsten. Industrie-Kartons sind am stärksten verarbeitet, aber am bequemsten. Das Pulverformat liegt dazwischen. Es nutzt denselben enzymatischen Prozess, aber die fertige Flüssigkeit wird zu Pulver getrocknet, sodass du den Drink zu Hause selbst mit Wasser anmischst.
Was sich beim Pulverformat ändert
Haferdrink-Pulver wird bis zu einem bestimmten Punkt genauso hergestellt wie Haferdrink im Karton. Hafer und Wasser, enzymatische Hydrolyse, Filtern. Der Unterschied kommt danach.
Statt die Flüssigkeit in Kartons abzufüllen, wird sie sprühgetrocknet. Heiße Luft verdampft das Wasser und zurück bleibt ein feines Pulver. Dieses Pulver wird in einem versiegelten Beutel verpackt.
Wenn du das Pulver zu Hause mit Wasser anrührst, rehydrierst du im Grunde den Haferdrink. Die enzymatische Arbeit wurde bereits im Werk erledigt. Der Drink schmeckt genauso wie die flüssige Version – chemisch ist es dieselbe Flüssigkeit.
Der Vorteil ist logistisch. Ein Karton besteht zu rund 90 % aus Wasser. Kartons quer durch Europa zu schicken bedeutet, Wasser zu schicken. Pulver wird trocken transportiert. Ein 800-g-Beutel ergibt 8 Liter Drink. Das entspricht acht Kartons – aber mit 17 g Verpackung statt etwa 240 g. Auch deshalb kostet Pulver pro Liter im Mengenvergleich weniger.
Häufig gestellte Fragen
Warum schmeckt Hafermilch süß, wenn kein Zucker zugesetzt ist?
Die Süße kommt aus der enzymatischen Hydrolyse. Amylase-Enzyme spalten die langen Stärkeketten im Hafer in kürzere Zucker auf, vor allem Maltose. Diese Zucker erscheinen in der Nährwerttabelle unter "Zucker", stammen aber natürlich aus dem Hafer. In keinem Schritt wird Zucker zugesetzt.
Wird Hafermilch aus Hafermehl hergestellt?
Nein. Haferdrink wird aus ganzem Hafer hergestellt, nicht aus Hafermehl. Ganzer Hafer behält das vollständige Nährwertprofil – inklusive Ballaststoffen, Eiweiß und natürlichen Fetten. Der Hafer wird mit Wasser gemischt und dann verarbeitet. Hafermehl würde sich im Enzymschritt anders verhalten und keinen vergleichbaren Drink ergeben.
Welches Enzym wird zur Herstellung von Hafermilch verwendet?
Alpha-Amylase ist das gängigste Enzym. Es zerlegt Stärkemoleküle in kürzere Ketten und freie Zucker. Manche Hersteller arbeiten mit einer Kombination aus Amylasen und weiteren Enzymen, um Süße und Textur fein abzustimmen. Das Enzym wird im Prozess verbraucht. Im fertigen Produkt verbleibt höchstens eine geringe Restaktivität.
Warum enthalten manche Haferdrinks Öl?
Öle wie Raps- oder Sonnenblumenöl werden zugesetzt, um Mundgefühl und Schaumverhalten zu verbessern – besonders in Barista-Versionen. Sie sind nicht nötig, um Haferdrink herzustellen. Das Grundrezept aus Hafer, Wasser und Enzym ist für sich genommen vollständig. Öl ist eine Rezeptur-Entscheidung der jeweiligen Marke.
Wie lange hält selbst gemachte Hafermilch?
Selbst gemachter Haferdrink hält 3–5 Tage im Kühlschrank. Er wird nicht UHT-behandelt und verdirbt daher schneller als kommerzielle Versionen. Mehr zur Haltbarkeit von Hafermilch findest du in unserem ausführlichen Leitfaden.
Ist das Enzym in Hafermilch natürlich?
Alpha-Amylase ist ein natürlich vorkommendes Enzym, das in vielen Pflanzen, Pilzen und Bakterien vorkommt. Die in der Lebensmittelproduktion eingesetzte Amylase stammt typischerweise aus mikrobiellen Quellen und ist für die Lebensmittelproduktion in der EU zugelassen. Es ist dasselbe Enzym, das auch im menschlichen Speichel vorkommt – es beginnt mit dem Stärkeabbau, sobald du in ein Stück Brot beißt.
Die einfachere Variante
Die meisten Haferdrink-Rezepte folgen demselben Grundprinzip. Hafer, Wasser, Enzym, filtern. Manche Marken hören dort auf. Andere ergänzen Öl, Verdickungsmittel, Vitamine und Stabilisatoren.
OATENTIK setzt nur auf zwei Komponenten: Bio-Hafer (glutenfrei) und ein natürliches Amylase-Enzym. Die enzymatische Hydrolyse passiert im Werk. Die Flüssigkeit wird anschließend zu Pulver sprühgetrocknet. Du mischst es zu Hause mit Wasser an.
Kein Öl. Keine Verdickungsmittel. Keine Füllstoffe. Kein Zuckerzusatz. Die Süße kommt aus dem Hafer selbst – genau so, wie der Prozess oben es beschreibt.
Probier die Pulverversion des Haferdrinks →Quellen & Methodik
Dieser Artikel beschreibt den industriellen Standardprozess für die Herstellung von Drinks auf Haferbasis. Die Prozessbeschreibungen basieren auf veröffentlichter lebensmittelwissenschaftlicher Literatur und direkten Aussagen von Lebensmittelwissenschaftlern aus der Branche.
- Natural Nan zur Haferauswahl und zum enzymatischen Prozess
- Ricard Öste zur enzymatischen Verflüssigung (Gründer von Oatly, Erfinder der modernen Haferdrink-Technologie)
- Jordan Myrick zu Amylase und Stärkeabbau
- Graham zu kaltem Wasser für selbst gemachten Haferdrink
Falls dir Ungenauigkeiten auffallen, schreib uns an info@oatentik.com.
Offenlegung: OATENTIK ist unser eigenes Produkt. Wir haben es in diesen Vergleich aufgenommen, weil es in die Kategorie passt. Wir bemühen uns, in allen Vergleichen fair und objektiv zu bleiben.
Über David Žalec
David Žalec ist seit zehn Jahren im DTC-Bereich unterwegs – vom Obstlieferanten an slowenische Büros mit 18, über das Schalten von Meta- und Google-Anzeigen für Kunden bis hin zum Launch von OATENTIK in 12 EU-Märkten. Außerdem ist er seit 12 Jahren Wettkampf-Powerlifter, was die Obsession mit Nährwerttabellen erklärt. Jeden Artikel belegt er mit PubMed-Quellen und EFSA-Standards der EU.
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